Hufrehe beim Pferd: Warnzeichen und Soforthilfe
19. August 20262 Min. Lesezeit
Hufrehe ist eine schmerzhafte Entzündung im Huf, bei der sich die Verbindung zwischen Hufbein und Hufkapsel lockert. Sie ist ein echter Notfall: Wie viel Schaden bleibt, entscheidet sich in den ersten Stunden.
Warnzeichen einer akuten Rehe
- Klammer, trippelnder Gang, vor allem auf hartem Boden und in Wendungen
- Typische Entlastungshaltung: Vorderbeine nach vorne gestellt, Gewicht auf die Hinterhand verlagert
- Widerwillen aufzustehen oder häufiges Liegen
- Vermehrte Pulsation an den Zehenarterien
- Warme Hufe
- Schmerzreaktion beim Druck auf die Sohle
Meist sind beide Vorderhufe betroffen, seltener alle vier.
Bei Verdacht auf Hufrehe gilt: Tierärztin oder Tierarzt sofort anrufen, nicht bis zum nächsten Morgen warten.
Was du bis zum Eintreffen tun solltest
- Bewegung stoppen. Kein Führen auf hartem Boden, kein "Auslaufen lassen". Das Pferd sollte dort bleiben, wo es steht, wenn der Weg in die Box weit ist.
- Weichen Untergrund schaffen: dicke Einstreu, die auch unter die Trachten reicht.
- Weidegang und Kraftfutter sofort beenden, wenn eine Futterursache im Raum steht.
- Keine Schmerzmittel aus dem Stallschrank. Sie verfälschen die Untersuchung, und die Dosierung gehört in fachliche Hand.
- Notieren, was das Pferd in den letzten 48 Stunden gefressen hat und ob es Vorerkrankungen oder eine Geburt gab.
Besonders gefährdete Pferde
Ein großer Teil der Rehefälle hängt mit Stoffwechselerkrankungen zusammen: Übergewicht, das Equine Metabolische Syndrom und das Equine Cushing-Syndrom sind die häufigsten Hintergründe. Weitere Auslöser sind eine große Menge Kraftfutter oder junges, zuckerreiches Gras, schwere Infektionen und Vergiftungen, eine zurückgehaltene Nachgeburt sowie Überlastung eines Beins, wenn das andere verletzt ist.
Nach der akuten Phase
Zur Behandlung gehören meist Schmerztherapie, konsequente Boxenruhe, Röntgenaufnahmen zur Beurteilung der Hufbeinstellung und ein orthopädischer Beschlag oder Hufverband. Tierärztin und Hufschmied arbeiten hier eng zusammen. Ebenso wichtig ist die Ursachensuche: Ohne Abklärung des Stoffwechsels bleibt das Rückfallrisiko hoch.
Vorbeugen
Körpergewicht im Blick behalten, Weidegang bei zuckerreichem Gras begrenzen, Kraftfutter portionieren, Futterumstellungen langsam, regelmäßige Hufbearbeitung und bei älteren Pferden an eine Stoffwechselkontrolle denken. Mehr dazu: Vorsorge beim Pferd und Kolik beim Pferd.
Ersetzt keine tierärztliche Versorgung
Hufrehe lässt sich am Stall nicht sicher von anderen Lahmheitsursachen unterscheiden. Bei Verdacht zählt der schnelle Anruf.
Bereit für den nächsten Schritt?
Finde jetzt eine passende Praxis und stell unverbindlich eine Anfrage.
Weitere Ratgeber-Artikel
Atemnot bei Hund und Katze: Warnzeichen und Sofortmaßnahmen
Woran du echte Atemnot erkennst, warum sie immer ein Notfall ist und wie du dein Tier bis zur Praxis richtig transportierst.
WeiterlesenFremdkörper verschluckt: wann Hund und Katze sofort zum Tierarzt müssen
Welche verschluckten Gegenstände wirklich gefährlich sind, warum du kein Erbrechen auf eigene Faust auslösen solltest und woran du eine Verlegung erkennst.
WeiterlesenKaninchen frisst nicht: warum das ein Notfall ist
Warum ein Verdauungsstillstand beim Kaninchen innerhalb von Stunden lebensbedrohlich wird, woran du ihn erkennst und was jetzt zu tun ist.
Weiterlesen