Schildkröte in die Winterstarre bringen: Vorbereitung und Kontrolle
19. August 20262 Min. Lesezeit
Die Winterstarre ist bei europäischen Landschildkröten kein Notbehelf, sondern ein fester Bestandteil ihres Jahresrhythmus. Sie steuert Stoffwechsel, Wachstum und Fortpflanzung. Tiere, die dauerhaft durchgeheizt werden, entwickeln häufiger Organprobleme.
Wichtig vorweg: Was hier steht, gilt für europäische Landschildkröten wie die Griechische oder Maurische Landschildkröte. Tropische Arten machen keine Winterstarre. Bei ihnen wäre das lebensgefährlich. Kläre im Zweifel zuerst, welche Art du hältst.
Der Gesundheitscheck davor
Nur ein gesundes Tier darf in die Starre. Sinnvoll ist eine Vorstellung im Spätsommer oder Frühherbst, damit noch Zeit für eine Behandlung bleibt. Dazu gehören:
- Gewicht und Panzerlänge: zur Einschätzung des Ernährungszustands
- Kotuntersuchung auf Parasiten, siehe Kotuntersuchung
- Beurteilung von Augen, Nase, Maul und Panzer
- Abklärung von Atemgeräuschen: eine Atemwegsinfektion ist ein klares Ausschlusskriterium
Nicht in die Starre gehören Tiere mit Nasenausfluss, offenem Maulatmen, Untergewicht, unbehandelten Verletzungen oder unklarer Vorgeschichte, und in der Regel auch keine frisch erworbenen Tiere im ersten Herbst, solange ihr Zustand nicht beurteilt ist.
Vorbereitung im Herbst
Fütterung einstellen. Etwa zwei bis vier Wochen vor Beginn kein Futter mehr. Der Darm muss leer sein, sonst gären Reste während der Starre.
Baden. In dieser Zeit regelmäßig lauwarm baden, damit die Schildkröte trinkt und den Darm entleert.
Temperatur langsam senken. Über ein bis zwei Wochen Wärmequelle und Beleuchtung stufenweise reduzieren, damit der Stoffwechsel herunterfährt.
Winterquartier vorbereiten. Eine Kiste mit lockerem, leicht feuchtem Substrat, in die sich das Tier eingraben kann; kühl, dunkel und frostfrei, in der Regel bei einstelligen Plusgraden. Ein Thermometer im Quartier ist Pflicht, nicht die Raumtemperatur daneben zählt.
Zwei Zahlen entscheiden über eine sichere Starre: die Temperatur im Quartier und das Gewicht des Tieres. Beides gehört notiert.
Kontrolle während der Starre
Alle ein bis zwei Wochen kurz nachsehen, ohne das Tier groß zu stören: Temperatur prüfen, Substratfeuchte kontrollieren, Gewicht notieren. Ein langsamer Gewichtsverlust ist normal; ein deutlicher Rückgang ist es nicht. Anlass, die Starre abzubrechen und eine Praxis aufzusuchen:
- Starker Gewichtsverlust
- Das Tier wacht wiederholt auf und läuft umher
- Augen- oder Nasenausfluss, Blasen an der Nase
- Harn- oder Kotabsatz im Quartier
- Auffällig eingefallene Augen oder schlaffe Haut
Das Aufwachen im Frühjahr
Temperatur langsam anheben, das Tier lauwarm baden und Wärme sowie UV-Licht wieder anbieten. Gefressen wird meist nach ein paar Tagen. Frisst eine Schildkröte nach ein bis zwei Wochen noch immer nicht oder wirkt apathisch, gehört sie untersucht.
Wo du Hilfe bekommst
Reptilien brauchen Praxen mit entsprechendem Schwerpunkt. Haltung, Beleuchtung und Ernährung sind bei der Beurteilung genauso wichtig wie der Befund am Tier. Mehr dazu: Exoten und Reptilien beim Tierarzt.
Ersetzt keine tierärztliche Beratung
Dauer, Temperatur und Eignung hängen von Art, Alter und Zustand des Tieres ab und gehören individuell abgestimmt.
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