Hund lahmt: Ursachen, Ersteinschätzung und wann zum Tierarzt
19. August 20262 Min. Lesezeit
Lahmheit ist beim Hund einer der häufigsten Vorstellungsgründe. Die Spanne reicht vom Dorn im Ballen bis zum Kreuzbandriss, und die Ursache liegt nicht immer dort, wo man sie vermutet.
Welches Bein tut weh?
Ein einfacher Anhaltspunkt: Der Hund entlastet das schmerzende Bein. Bei einer Lahmheit vorne nickt der Kopf nach oben, wenn das kranke Bein auftritt, und nach unten beim gesunden. Hinten sinkt die Hüfte auf der gesunden Seite stärker ab. Lass jemanden den Hund im lockeren Trab auf gerader Strecke führen und filme es mit dem Handy. Dieses Video ist in der Praxis oft die nützlichste Information, weil viele Hunde im Behandlungsraum vor Aufregung gar nicht lahmen.
Sofort in die Praxis
- Das Bein wird gar nicht mehr aufgesetzt
- Sichtbare Fehlstellung, offene Wunde oder starke Schwellung
- Nach einem Unfall, Sturz oder Zusammenstoß
- Starke Schmerzäußerung, Schreien bei Berührung
- Plötzliche Lahmheit an mehreren Beinen oder wechselnd
- Zusätzlich Fieber oder Mattigkeit
- Lähmung, Nachziehen der Hinterhand, kalte oder gefühllose Pfote
Wann du kurz beobachten kannst
Eine leichte Lahmheit nach ungewohnter Belastung, bei der der Hund ansonsten fit ist und normal frisst, darf man einen Tag mit Leinenruhe beobachten. Bessert sie sich nicht deutlich oder kommt sie wieder, gehört sie abgeklärt. Wichtig: Leinenruhe heißt Leinenruhe, kein Ballspiel, kein Treppensprung, kein Toben mit anderen Hunden.
Häufige Ursachen
- Pfote: Fremdkörper, gerissene Kralle, Schnitt, Ballenriss, im Winter Streusalz
- Weichteile: Zerrung, Prellung, Muskelfaserriss
- Gelenke: Arthrose, Hüftdysplasie, Patellaluxation, Kreuzbandriss
- Knochen: Fraktur, bei jungen großen Rassen Wachstumsschmerzen
- Infektionen: durch Zecken übertragene Erkrankungen wie Borreliose oder Anaplasmose
- Rücken: ein Bandscheibenvorfall zeigt sich nicht selten zuerst als unklare Lahmheit hinten
Was in der Praxis passiert
Zur orthopädischen Untersuchung gehören Gangbild, Abtasten, Beweglichkeits- und Schmerztests der einzelnen Gelenke. Je nach Befund folgen Röntgenaufnahmen (teils unter Sedierung, weil verspannte Muskulatur die Beurteilung verfälscht), Ultraschall der Weichteile oder Blutuntersuchungen.
Keine Schmerzmittel aus der Hausapotheke
Ibuprofen, Paracetamol und Diclofenac sind für Hunde gefährlich und können Magen, Niere und Leber schwer schädigen. Auch Reste tierärztlicher Schmerzmittel von früher gehören nicht ohne Rücksprache verabreicht: Sie verschleiern die Untersuchung, und der Hund belastet ein instabiles Gelenk dann erst recht.
Ersetzt keine tierärztliche Beratung
Diese Hinweise helfen beim Einordnen. Welche Struktur betroffen ist, zeigt erst die Untersuchung.
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