Analdrüsen beim Hund: Schlittenfahren richtig deuten
19. August 20262 Min. Lesezeit
Das "Schlittenfahren", der Hund rutscht sitzend mit dem Hinterteil über den Teppich, ist ein klassischer Grund für einen Praxisbesuch. Meist stecken die Analbeutel dahinter, aber eben nicht immer.
Was Analdrüsen eigentlich sind
Links und rechts vom After liegen zwei kleine Beutel, die ein streng riechendes Sekret bilden. Normalerweise entleeren sie sich beim Kotabsatz von selbst, wenn der Kot fest genug ist und dabei Druck ausübt. Ist der Kot dauerhaft weich, klappt dieser Mechanismus schlechter. Das ist einer der häufigsten Gründe für wiederkehrende Probleme.
Typische Anzeichen
- Schlittenfahren auf dem Boden
- Häufiges Belecken der Analregion oder der Rutenbasis
- Beißen nach der Rute, plötzliches Herumdrehen
- Unangenehmer, fischiger Geruch
- Schwellung, Rötung oder eine offene Stelle neben dem After
- Schmerz beim Sitzen oder beim Kotabsatz
Wenn es doch etwas anderes ist
Schlittenfahren bedeutet zunächst nur: Es juckt oder schmerzt hinten. Ebenso häufig sind Bandwurmglieder im Fell, Futtermittelunverträglichkeiten mit juckender Haut, siehe Futtermittelallergie, Kotreste im langen Fell, Hautentzündungen der Analfalte oder Fremdkörper. Deshalb gehört das Symptom untersucht, statt gleich auf die Drüsen zu tippen.
Warum "vorsorglich ausdrücken" keine gute Idee ist
Ein gesunder Analbeutel muss nicht ausgedrückt werden. Regelmäßiges Ausdrücken ohne Befund reizt das Gewebe, kann Entzündungen begünstigen und den natürlichen Entleerungsmechanismus stören. Ausdrücken ist eine Behandlung bei Beschwerden, keine Routinepflege. Und es gehört in tierärztliche Hände oder zumindest in fachlich angeleitete: Falsche Technik kann den Beutel verletzen.
Beim Hundefriseur "gleich mit ausdrücken lassen" ist ohne Beschwerden nicht sinnvoll.
Wann es dringend wird
Ein entzündeter oder abszedierter Analbeutel ist deutlich schmerzhaft: Die Region schwillt an, ist heiß, das Tier möchte sich nicht anfassen lassen, und der Abszess kann nach außen aufbrechen. Das gehört zeitnah in die Praxis. Dann sind meist Spülung, Schmerztherapie und Antibiose nötig.
Vorbeugen
Der wichtigste Hebel ist die Kotkonsistenz: ausreichend Rohfaser im Futter, keine ständigen Futterwechsel, und bei chronisch weichem Kot die Ursache abklären lassen, siehe Durchfall bei Hund und Katze. Dazu kommen regelmäßige Entwurmung nach Bedarf, ein normales Körpergewicht, siehe Übergewicht, und bei langhaarigen Hunden kurz geschnittenes Fell rund um den After.
Ersetzt keine tierärztliche Beratung
Schlittenfahren hat mehrere mögliche Ursachen. Was tatsächlich dahinter steckt, klärt die Untersuchung.
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